Seit Beginn der Zivilisation sind Tätowierungen Teil der Menschheitsgeschichte.

Es kann davon ausgegangen werden, dass wahrscheinlich jede Kulturgemeinschaft der Erde
zu irgendeinem Zeitpunkt ihrer Entwicklung die Sitte des Tätowierens kannte und ausübte.
Strittig ist hingegen, wo sich die Tätowierung schwerpunktmäßig entwickelt hat. Immer wieder
wurde versucht, sie vom Ursprung her einem bestimmten geographischen Gebiet zuzuordnen.
Die ältesten Belege für das Vorkommen von Tätowierungen stammen aus dem
europäischen Raum. Die 1991 entdeckte Mumie vom Hauslabjoch in der Nähe des ötztales in
Italien (Ötzi) beweist, dass bereits in der Bronzezeit, also vor mehr als 5000 Jahren, in Europa
Ornamente in die Haut gestochen wurden. Dieser älteste erhaltene menschliche Körper der Welt
besitzt 15 Hautbilder

Dieser Umstand scheint die häufig anzutreffende These zu widerlegen, dass die Sitte des
Tätowierens ursprünglich aus dem südwestasiatischen Raum stammt, sich
von dort über ägypten nach Polynesien und Australien ausgebreitet hat
und schließlich nach Nord- und Südamerika weiter getragen wurde.
Entgegen einer Vielzahl von Theorien, die allesamt versuchen, den
Ursprung der Tätowierung in einen bestimmten geographischen Raum
einzuordnen, kann anhand der vielfältigen und über den ganzen Erdball
verstreuten Hinweise davon ausgegangen werden, dass sich die Sitte des
Tätowierens bei den verschiedenen Völkern der Erde selbständig und
unabhängig von anderen Gebräuchen entwickelt hat.
Zu den ältesten bekannten Tätowierungen zählen ein etwa 2400 Jahre
alter weiblicher Körper, der im Gebiet des russischen Ukok-Plateaus
gefunden wurde, sowie zwei ägyptische Mumien aus dem zweiten
Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung.

Alle Kulturen stellten die Hautbilder in einen symbolischen
Zusammenhang mit
Zeugung, Geburt und Tod, mit Kraft und Mut (Fellowes, 1971; Sperry,
1991; Feige, 2000; Pozgain et al., 2004). So hatte man anfänglich bei
Ötzi gedacht, dass es sich um reine Schmucktätowierungen handele, die
ihn als zu einem Stamm zugehörig markieren sollten.Mittlerweile scheint
jedoch klar zu sein, dass es sich wohl um therapeutischen Charakter in
Form von Akupunktur handelt. Es wurde festgestellt, dass sich die
Tätowierungen, insbesondere an Rücken und Beinen, an klassischen
Akupunktur-Stellen finden.
In seiner rituellen Bedeutung war und ist das Tätowieren zumeist in
Mikronesien, Polynesien, bei indogenen Bevölkerungen und z.B. auch den
Ainu und den Yakuza (Japan) verbreitet. Unter den ältesten schriftlichen
Zeugnissen zum Umgang mit Tätowierungen sind biblische Texte zu
finden; darin werden sie mit dem Totenkult assoziiert. Klassische
griechische und römische Schriftsteller beschrieben das Tätowieren als
barbarischen Brauch.

Auch die ersten Christen gehörten zu den Anhängern farbigen
Körperschmucks. In frühen christlichen Gemeinden galt die Tätowierung
als stummes Erkennungszeichen, Das späte Christentum verbot
unterdessen das Bilderstechen, um den Menschen vor der Verunstaltung
göttlicher Schöpfung abzuhalten. Im alten Rom war Konstantin I. (287-
337 n. Chr.) der erste Kaiser, der die Hautzierden untersagte. Eine
konsequente Fortsetzung fand das Verbot im Jahr 787 n. Chr. unter Papst
Hadrian I., der das Tätowieren mit Aberglaube und Heidentum assoziierte.
Während der nächsten tausend Jahre wurden von seinen Nachfolgern
stets ähnliche Verfügungen erlassen. Im Zeitalter geographischer
Entdeckungen kamen Europäer mit vielen Kulturen in Kontakt, in denen
tätowiert wurde. Im Laufe der Geschichte dienten Tätowierungen häufig
als Form der ächtung von Kriminellen und Prostituierten (Fellowes 1971;
Sperry 1991, Feige 2000; Pozgain et al., 2004).
Ein stigmatisierendes Beispiel aus jüngerer Zeit ist die Kennzeichnung von
Häftlingen in Konzentrationslagern während des Nationalsozialismus.